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Ortsgeschichte Lanzenhaar

Lanzenhaar - Anzanhart (Wald des Anzo)

Nördlich von Sauerlach, entlang der Staatsstraße 2573 (früher B13), liegt Lanzenhaar. Das ist natürlich nicht das Lanzenhaar, das 2013 sein 1000 jähriges Bestehen feierte. Das alte Lanzenhaar lag bei der St. Ulrichskirche, etwas versteckt am Waldesrand, westlich der Staatsstraße 2573. Das erste Mal urkundlich erwähnt zwischen 1003 und 1013. Die Edle Imma verschenkt durch ihren Bruder Anno das Gut Ignoltesluz in Lanzenhaar gegen jährliche Einkünfte auf Lebenszeit an das Kloster Tegernsee.


Schenkung einer Frau namens Imma. Alle, die nach Gerechtigkeit dürsten, sollen die Schenkung kennen, die eine Edle namens Imma durch die Hand ihres Bruders Anno an den Altar des heiligen Quirin erließ zu ihrem eigenen Seelenheil und dem ihrer Eltern. Sie schenkte ihr Gut, das Ignoltesluz genannt wird, in dem Weiler gelegen, der Anzanhart (Lanzenhaar) heißt, unter der Bedingung, dass ihr dafür jährlich dreißig Maß Getreide, nämlich zehn Maß Spelz (Weizen) und zehn Maß Roggen und zehn Maß Hafer und sechs Lämmer bis zu ihrem Lebensende gegeben werden. Dies alles ist ohne Versäumnis erfüllt worden. Zeugen dieser Schenkung sind folgende: Anno selbst, der die Schenkung vollzogen hat, Pero, Perhardus, Dietpertus, Sigihardus, Pernhardus.

Man kann davon ausgehen, dass der Weiler Anzanhart aus nur wenigen Höfen bestand, wahrscheinlich von Anfang an aus zwei.

Die Geschichte der Hofmark Otterloh-Lanzenhaar beginnt 1688, als Peter Hieronymus Coda das erbliche Recht der niederen Gerichtsbarkeit auf den drei Höfen zu Otterloh sowie den zwei angrenzenden Höfen zu Lanzenhaar erhielt. 1733 fiel die Grundbarkeit dem Kloster Dietramszell zu.

Nach der Säkularisation 1802 standen nahe der Ulrichskirche zwei stattliche Höfe, der Falter und der Uli. Nach Aufhebung der Grundherrschaft wurde 1848 der Besitzstand zum Eigentum. 1859 verkauften die Beiden ihren Besitz von jeweils 226,26 und 214,42 Tagwerk an das Königl. Bayr. Forstärar. Die Gebäude wurden abgebrochen, die Felder aufgeforstet.

Damit endet nach gut 850 Jahren die Geschichte von Alt-Lanzenhaar. Als Rest des Weilers blieb mit zehn Dezimalen Grund das St.-Ulrichs-Kirchlein bis auf den heutigen Tag erhalten, dank der bischöflichen Weihe von 1710.

Das neue Lanzenhaar

Nach Auflassung der Höfe Falter und Uli beginnt ein neues Kapitel in der Geschichte Lanzenhaars. Mit den Abbruchsteinen der Jahrhunderte alten Höfe wurden ab 1865 an der Straße zum benachbarten Otterloh drei neue Gehöfte gebaut und entlang der damaligen Tegernseer-Landstraße siedelten sich 4 kleine Bauernhöfe an.

Mit Wasser versorgten sich die Anwesen anfangs mit unterirdisch gemauerten Zisternen in welchen das Regenwasser gesammelt wurde. Das Trinkwasser wurde mit Fässern aus Otterloh herbeigeschafft. Erst ab 1928 gab es eine zentrale Wasserversorgung für Lanzenhaar, versorgt durch einen 36 m tiefen Brunnen auf dem Schmotz-Grundstück. In den 1970er Jahren wurde Lanzenhaar von Brunnthal versorgt, nach der Gebietsreform (bis dahin gehörte Lanzenhaar zu Brunnthal), von Sauerlach. Elektrischen Strom gab es ab 1926.

Die Waldsiedlung (seit 2007 zugehörig zum Ortsteil Lanzenhaar)

In den 1920er Jahren wurde der in 1918 von Anton Bußjäger erworbene Grund auf drei Familien aufgeteilt. Die darauf erbauten Wochenendhäuschen ohne Wasser und Strom waren der Vorläufer der jetzigen Siedlung. Um eine geregelte Bebauung zu gewährleisten und Heimatvertriebenen die Ansiedlung zu ermöglichen, wurde 1955 ein Bebauungsplan erstellt.

Die Forstsiedlung

Die Forstsiedlung, westlich Staatsstraße 2573, entstand 1948. Die amerikanische Besatzungsmacht veranlasste an dieser Stelle einen Holzeinschlag um ihre Einrichtungen in München mit Brennholz zu versorgen. Die 5 Häuser, erbaut von der staatl. Forstverwaltung, wurden an ihre Angestellten, meist Heimatvertriebene, vermietet.

Die St. Ulrichs-Kirche

In der Diözesanbeschreibung von 1315 wird sie zum ersten Mal dokumentiert als Filialkirche von Oberhaching ohne Begräbnisrecht. 1560 erscheint der hl. Ulrich als Kirchenpatron im Visitationsprotokoll. Der heutige Bau stammt aus dem 15./16. Jahrhundert. Es handelt sich um einen spätgotischen Saalbau.

1867 wurde nach mehreren Gesuchen, der Umpfarrung von Oberhaching nach Sauerlach stattgegeben. Nach Auflassung und Abriss der beiden Höfe, blieb das Kirchlein verweist. Es verfiel und stand kurz vor dem Abriss. Vier beherzten Lanzenhaarern (Marile Hinterholzer, Peter Kratzer, Johann Portenlänger und Hans Schmotz) hat sie es zu verdanken, dass sie dieses Schicksal nicht erleiden musste. Sie wollten mit finanzieller Unterstützung der kath. Kirche und vielen Stunden Eigenleistung das Kirchlein retten. Das Ordinariat übernahm nun nach Begutachtung der Kirche selbst die Planung. Finanzmittel wurden mit Unterstützung der Sauerlacher Kirchengemeinde und Spenden der Lanzenhaarer bereitgestellt und so wurde von 1978 bis 1983 die Kirche renoviert.

In den Folgejahren drang wieder Feuchtigkeit in die Wände und so musste zwischen 2007 und 2011 die Kirche nochmals restauriert werden.

Die Römerstraße

Römische Fernstraße (Via Julia) von Salzburg (Iuvavum) nach Augsburg (Augusta Vindelicum / Augusta Vindelicorum) kreuzt in Lanzenhaar die Staatsstraße 2573 - Antike und Neuzeit treffen sich.

Claus Koch, Lanzenhaar 2013

Ergänzt und überarbeitet 2016